|
Es käme mir nicht in den Sinn, einen Rat
auszusprechen, welcher Airbrush der perfekte wäre. Denn jeder
kommt auf seine Weise mit den Dingen zurecht und schafft
eventuell mit Geräten, bei denen andere die Nase rümpfen,
hervorragendes. Wenn schon ein Tipp, dann nur den, dass man von
vornherein mit Double Action-Pistolen arbeiten sollte, da sie
objektiv das sicherste arbeiten garantieren. Bestimmt wird es
einige geben, die auch mit Single Action zaubern können. Die
doppelte unabhängige Hebelfunktion der Double Action hat jedoch
den Vorteil, dass bei niederdrücken des Triggers zunächst nur
die Luftzufuhr geöffnet wird und erst bei zurückziehen
desselben die Nadel die Düse, und somit die Farbe freigibt.
So hat man die Gewähr, dass bei ziehen des
Triggers zunächst nur Luft kommt und der Farbstrom erst über
diesen Punkt hinaus einsetzt. Das Problem liegt darin, dass die
Nadel in Nullstellung durch die Rückholfeder in die Düse gedrückt
wird und sich dort schon einmal festsetzt. Dann ist ein etwas größerer
Zug vonnöten, um sie zu lösen, wobei der Finger Murphys
Gesetzen folgend übers Ziel hinausschießt und ein Fleck auf
dem Bild ist die Folge, der vermutlich in der modernen Kunst
nicht auffiele, aber wir wollen ja unter anderem auch Bilder
malen, bei denen man erkennen kann, was es darstellen soll...
Dieses System ist beispielsweise bei der Hansa "Top Line
Serie" vertreten. Einige der Bilder in den Galerien dieser
Seite sind mit diesem Gerät gebrusht worden. Also, immer, egal
welches Gerät, ein Papier neben das Bild legen und regelmäßig
zur Probe sprühen.
An Exoten treten hier noch das Modell
"Aztek-A-470" und die "Paasche AB (Turbo)"
in Erscheinung. Die Aztek besteht aus einem leichten
Kunststoffgehäuse mit seitlich anzusteckenden Farbnäpfen
verschiedener Größen. Nadel und Düse bilden eine eigene
kleine Einheit, die mit wenigen Handgriffen ausgetauscht werden
kann. Es gibt diese Düsen in verschiedenen Größen, wodurch
ein breites Spektrum der anfallenden Arbeiten allein mit diesem
Gerät erledigt werden kann. Weiterhin ist im Corpus der Pistole
eine Einstellschraube zu finden, mittels derer sich Hebel und
Nadelweg ändern lassen. In Nullstellung reagiert der Trigger wie bei jeder Double
Action, bei zurückstellen der Schraube setzt die Farbzufuhr
sukzessive früher ein. In der äußersten Stellung der
Regelschraube reagiert das Gerät wie eine Spraydose. Bei
niederdrücken des Triggers setzen augenblicklich Luft und
Farbstrom ein. Gewöhnungsbedürftig ist bei diesem Apparat
lediglich der - im Verhältnis zu den üblichen Double Action
Typen - längere Hebelweg. Wenn man mehr Farbe freisetzten möchte,
muss man schon ein gutes Stück am Trigger ziehen. Hat man sich
damit angefreundet, ist allerdings eben durch diesen längeren
Weg eine sehr fein zu dosierende Farbzufuhr möglich.
Mit dem zweiten Amerikaner in dieser
Beschreibung, der Paasche
Turbo, ist es wie mit den Harleys aus
demselben Ursprungsland: Für die einen gibt es nichts anderes
was der Rede wert wäre, und für die anderen ist es überteuertes
Eisen, das ohnehin meist nicht funktioniert. Die diplomatische
Wahrheit liegt wohl darin, dass Funktion und Tauglichkeit abhängig
sind von der Wartung, dem Verständnis für mechanische
Besonderheiten und dem Zweck, für den die Geräte konzipiert
sind. Die Turbo ist nur für kleine Detailarbeiten ausgelegt und
auf diesem Gebiet ist sie hervorragend. Beim brushen ohne Maske
lassen sich feine Strukturen herausarbeiten. Das Anlegen von größeren
Flächen sollte man tunlichst unterlassen. Bei dieser Pistole
wird die Nadel (im rechten Winkel zum Corpus) durch eine Turbine
bei jeder Umdrehung einmal vor und zurück bewegt. Die
Nadelspitze läuft durch eine Führung, die mit dem Farbnapf in
Verbindung steht. Durch Kapillarwirkung zieht sich die Farbe in
diese Führung, wo sie von der Nadel aufgenommen wird und von
dort gelangt sie in den Luftstrom der Düse. Die Steuerung
entspricht einer Double Action-Pistole. Der Luftstrom, die
Turbinendrehzahl und der Hebelweg (entsprechend dem Nadelhub)
lassen sich unabhängig voneinander regulieren. Zusätzlich kann
der Nadelhub durch eine Einstellschraube, die direkt auf den
Fingerhebel wirkt, vorprogrammiert (s. Aztek) werden. Drosselt
man beispielsweise den Luftstrom der Düse auf ein Minimum und
steigert die Turbinendrehzahl um mehr Farbe aufzunehmen, bekommt
man ein sehr regelmäßiges Sprenkelbild. Wenige
Turbinenumdrehungen bei mäßigem Luftstrom aus der Düse
produzieren sehr feine Linien, sofern man das Gerät langsam über
den Malgrund führt, beschleunigt man diese Bewegung, zerfällt
die Linie in nebeneinander liegende winzige Punkte. Das liegt im
Hubprinzip der Nadel begründet, da sie bei jeder Umdrehung der
Turbine einmal in den Luftstrom eintritt, wird auch nur in
diesem Moment Farbe von der Spitze heruntergeblasen. Bei
mittleren und hohen Drehzahlen sowie hohem Luftdruck produziert
das Gerät - natürlich in Abhängigkeit von der Entfernung zum
Malgrund - einen sehr homogenen Farbauftrag.
Durch die vielen beweglichen Teile und die durch
die Turbine hervorgerufenen Vibrationen ist es wichtig, das Gerät
häufiger zu justieren. Homogener Farbauftrag ist nur gegeben,
wenn die Nadel durch das Zentrum des Luftstromes läuft, außerhalb
dieses Bereiches entsteht ein Sprenkeleffekt. Der Arm an dessen
Ende die Düse sitzt ist justierbar. Die Nadel wiederum muss in
zwei Bögen vorgespannt sein, andernfalls kann sie bei hohen
Umdrehungen aus der nach oben hin offenen Führung springen. Der
vertikale Bogen wird durch eine höhenverstellbare Führung im
Zaum gehalten, der horizontale ist durch die oben erwähnte
Nadelführung gegeben. Der damit verbundene Farbnapf kann
ebenfalls verstellt werden: Seitlich, um einen optimalen Abstand
zu Nadelspitze und Düse zu gewährleisten und vertikal zur
Neigungsanpassung an den Malgrund. Einfacher und sicherer ist es
allerdings, eine optimale Stellung aller Komponenten zu finden
und dabei zu bleiben. Wenn nur sehr wenig Farbe eingefüllt wird (damit meine ich
wesentlich weniger als einen Tropfen - und der sollte tunlichst
in unmittelbarer Nähe zur Nadelführung eingebracht werden)
kann man das Gerät auch in der senkrechten betreiben. Wem die
in den Farbfläschchen stehenden Pipetten dafür zu groß
erscheinen, kann das Befüllen
mittels einer Spritze oder eines Pinsels bewerkstelligen.
Mehr als einen Tropfen sollte man wirklich nicht laden,
andernfalls kann es passieren, dass die Farbe aus dem inneren Führungsende
austritt und herabtropft. Das tut sie mit Vorliebe dann, wenn
nicht alle Teile außerhalb der Führung absolut trocken sind.
Ist dies nicht der Fall versagt die Oberflächenspannung der
Farblösung und sie folgt dem Feuchtigkeitsfilm. Diesen Fauxpas
bemerkt man häufig erst dann, wenn sich zahlreiche, nicht
geplante Tupfer auf dem Bild ausbreiten. Vermeiden lässt sich
dies, wenn man nach jeder Zwischenreinigung die neuralgischen
Punkte mit Druckluft trocken pustet.
In Baumärkten gibt es allerlei Mehrfachanschlüsse:
Wenn man einen solchen an den Kompressor montiert, lässt sich
an einem Schlauch die Pistole betreiben und an den zweiten
schließt man eine Druckluftpistole an - somit hat man immer
einen effektiven Kaltluftfön zur Hand. Die Turbine, welche das
alles in Schwung bringt, ist zweifach gelagert. Diese Lager, auf
dem oberen und unteren Ende der Welle befindlich, sollten regelmäßig
mit Lagerfett geschmiert werden. Der Schraubverschluss der Lager
ist zur Aufnahme des Fettes hohlgebohrt. Wenn man sich an die
Schmierungsintervalle hält und die Lager bei Justierung nicht
zu fest anzieht, beginnt die Turbine sich bereits bei einem
Druck von 0.4 - 0.5 bar zu drehen, und ist auch bei Belastung
(weit zurückgezogener Trigger mit entsprechend langem Nadelhub)
durchaus in der Lage, die eingestellte Drehzahl zu halten. Wobei
gleichmäßige Umdrehung gleichzusetzen ist mit gleichmäßigem
Farbfluss. Wer die Turbo nicht kennt, dem mag das alles
kompliziert erscheinen, aber nach den ersten Schrecken stellt
sich auch hier irgendwann Routine ein und sämtliche Handgriffe
laufen völlig selbstverständlich ab, ohne großartig
nachdenken zu müssen.
In Fachzeitschriften und Büchern die sich mit
Airbrushtechnik beschäftigen, taucht mitunter der Vorwurf auf,
die Turbo sei zu teuer. Alternativ wird Bezug genommen auf das
Betriebsgeräusch, welches einem Zahnarztbohrer ähnele, oder
die Vibrationen müssen herhalten. Auch Preise sind relativ.
Meinetwegen hätte das Gerät gerne wesentlich billiger sein können,
aber im Vergleich zu der "Iwata Micron-Serie" etwa ist
kaum noch ein Preisunterschied gegeben. Davon abgesehen, ist
meines Wissens noch niemand gezwungen worden speziell diese
Pistole zu kaufen. Und das beim Betrieb einer Mechanik Geräusche
und Vibrationen auftreten, scheint für manchen sonderbarerweise
sehr erstaunlich zu sein. Vielleicht sollte man dazu übergehen
Autos und Motorräder zu schieben, auf diese Weise lassen sich
effektiv Geräusche und Vibrationen vermeiden, die entstünden,
wenn man den Motor laufen ließe.
Wer mit verschiedenen Brushes hantiert wird
feststellen, dass nicht alle Typen ein einheitliches Gewinde am
Luftanschluss besitzen. Der bequemste Weg zum schnellen Wechsel
ist eine Schnellkupplung, deren pistolenseitige Tülle mit dem
entsprechenden Gewinde versehen ist. Diese Dinge sind im
Fachhandel für wenig Geld erhältlich. Welchen Schlauch man
nimmt ist Geschmackssache. Ich bin auf Aquariumsschlauch
umgestiegen, da er sehr flexibel ist und kaum die
Bewegungsfreiheit einschränkt. Nachteilig ist seine
vergleichsweise geringe Lebensdauer, insbesondere an den
beanspruchten Enden, wo er in die Anschlussflansche mündet.
Daher muss man etwas häufiger als gewöhnlich 1 cm abschneiden
und die Anschlüsse neu montieren. Den durchschnittlichen
Arbeitsdruck von 2 bar hält er problemlos aus. Ab
4 bar versucht er zum Ballon zu mutieren, aber Drücke in dieser
Höhe sind ohnehin nur beim Betrieb eines Air-Erasers sinnvoll.
Farbe sollte nicht mit Drücken über 2 bar aufgetragen werden,
weil die seitlichen Verwirbelungen zu stark werden.
Aquariumsschlauch ist transparent und somit kann man sehen, wenn
der Wasserabscheider versagt. Ärgerlicher ist es, wenn man das
erst durch spucken der Pistole auf das Papier erkennt. Im Verhältnis
zu „offiziellem“ Airbrushschlauch ist er so günstig im
Preis, dass 4 bis 5 m Aquariumsschlauch 1 Airbrushschlauch
entsprechen.
|